Fachgebärden Religion

Die Gebärdenzeichen, die in christlichen Gehörlosengemeinden für religiöse Begriffe verwendet werden, unterscheiden sich zum Großteil regional und von Gemeinde zu Gemeinde recht deutlich.

Die Entstehung dieser Gebärdenzeichen basiert in der Regel auf einem der drei folgenden Motive:

 

1.) Ableitung von Gebärdenzeichen aus alltäglichem Sprachgebrauch in der DGS

Manchmal gibt es für einen Begriff im Gottesdienst schon ein Gebärdenzeichen in der Alltags-DGS mit einer verwandten Bedeutung. Diese werden dann auch im Gottesdienst eingesetzt. Beispiele für solche Entlehnungen sind die Gebärdenzeichen ALTAR, das formgleich mit der Gebärde TISCH ist sowie die Gebärde ORDEN, die formgleich ist mit den Gebärdenzeichen GEMEINSCHAFT und GRUPPE.

 

2.) Anpassung an Bedeutung durch theologische Auslegung

Ein Beispiel für ein Gebärdenzeichen, das im Gehörlosengottesdienst bereits auf seine eigentliche Bedeutung angepasst wurde, ist OSTERN. Im Alltagsgebrauch illustriert das Gebärdenzeichen die langen Ohren des Osterhasen. Im Gottesdienst wird die Gebärde für Ostern jedoch wie AUFSTEHEN ausgeführt, weil so der christliche Hintergrund der Feier, die Auferstehung Jesu, und nicht die Ostereiersuche transportiert wird.

Ein anderes Beispiel ist das Gebärdenzeichen JESUS.

Jesus Christus wurde geboren, wuchs heran, predigte und begegnete in seinem Leben zahlreichen Menschen, denen er half, die er heilte und mit denen er großherzig sein Essen teilte. Die Alltagsgebärde für JESUS weist auf seinen Tod am Kreuz hin, in ihr wird dargestellt, wie Nägel durch beide Handflächen getrieben werden. Auch hier zeigt sich, dass der Entstehung der Gebärde eine theologische Auseinandersetzung vorausgegangen ist.

 

3.) „Erfundene“ Komposita

Desweiteren gibt es Gebärdenzeichen im Gottesdienst, die „erfundene“ Komposita (Zusammensetzungen) sind. Solche Komposita treten in der alltäglichen DGS eher selten auf, christliche Gemeinden setzen sie hingegen stärker ein.

Ein Beispiel ist das Gebärdenzeichen PROPHET, das eine Zusammensetzung aus den Gebärden SONNE und VERKÜNDEN ist.

Auch die Gebärde DIAKON besteht aus zwei zusammengesetzten Gebärdenzeichen: ARBEIT und DIENEN. Hiermit wird die Aufgabe des Diakons treffend im Gebärdenzeichen abgebildet, denn der Diakon arbeitet für seine Gemeinde, und dient Gott, zu dem er eine starke Bindung hat