Organisation in der Nazizeit (Helmut Vogel)

Die Zeit unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ist eines der düstersten Kapitel deutscher Geschichte und war auch für die Gehörlosen mit großem Leid verbunden.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler, Mitglied der NSDAP, zum Reichskanzler ernannt.

Bald darauf wurden im zuge der politischen Gleichschaltung die Landesparlamente und der Reichstag aufgelöst und der NSDAP-Führung um Adolf Hitler unterstellt. Hitler fungierte als Diktator und erließ eine Vielzahl neuer Gesetze. Diese massive Umwälzung fand zu Beginn im deutschen Volk sowie bei Vertretern der Wirtschaft große Unterstützung. Auch die Gehörlosen befürworteten die Entwicklungen: Der ReGeDe wurde nach der Machtübernahme Hitlers diktatorisch aufgebaut. Auf der Suche nach einem neuen Präsidenten, der die aktuelle Stimmung rund um Hitler unterstützte, fiel die Wahl auf Fritz Albreghs aus Berlin. Albreghs führte bereits eine Ortsgruppe der NSDAP für schwerhörige und gehörlose Menschen, deren Mitgliederzahl mit Hitlers Machtübernahme stark anstieg.

Er übernahm die Führung des ReGeDe und überschrieb sich per Satzungsänderung die Alleinverantwortung über die Besetzung der Leitungsposten bei seinen Mitgliedern.

Die alten Gehörlosenvereine fielen der Gleichschaltung zum Opfer: Statt der ursprünglichen Vielfalt gab es fortan nur noch die sog. „Ortsgruppen“. Die nächsthöhere Ebene bildete der „Gau“ und die darüber liegende Ebene bildete schon die NSDAP-Führung um Hitler. In dieser Machtstruktur wurden politische Entscheidungen ohne Ausnahme von oben nach unten weitergegeben. Die Bürger selbst hatten keine Einflussmöglichkeiten mehr.

Um ein Signal für Gleichberechtigung und Leistungsfähigkeit Gehörloser zu setzen, erwirkte Albreghs die Anbindung des ReGeDe an die NSV („Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“). Von nun an stand der ReGeDe unter Aufsicht der NSV und erhielt regelmäßig Propaganda-Material, wie Mitteilungen und Zeitschriften der NSDAP-Führung, die an alle gehörlosen Mitglieder weitergeleitet wurden.

Den Vorsitz im Gehörlosensport hatte Heinrich Siepmann von 1933-1945 inne.

Der Gehörlosensport war nicht Teil des NSV sondern unterstand dem NSRL („Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesertüchtigung“), der die Sportler finanziell unterstützte und wie der NSV mit Propaganda-Materialien versorgte.

Im ReGeDe waren die Handlungsmöglichkeiten der Mitglieder weiterhin sehr eingeschränkt. Sämtliche Entscheidungen wurden streng kontrolliert. Widerstand gegen diese diktatorischen Strukturen trat nur vereinzelt und selten in Erscheinung.

Im Jahre 1943 beschloss der NSV ohne Miteinbeziehung des ReGeDe dessen Auflösung. Die Mitglieder des ReGeDe wurden mit Mitgliedern anderer Gruppen zu einer neuen Organisation, der „Deutschen Gehör- und Sprachgeschädigtenwohlfahrt“ (kurz: DGS) zusammengeführt. Dieser Verband sollte von nun an die Interessen von gehörlosen und schwerhörigen Menschen sowie die Belange der Lehrer für Menschen mit Hör- und Sprachschädigungen vertreten.