Das Besondere am Gehörlosengottesdienst

Gehörlosengottesdienste unterscheiden sich in einigen Punkten von anderen Gottesdiensten:

 

1.) Verwendung der Gebärdensprache

Gebärden werden konsequent im Gottesdienst eingesetzt, meist vom Liturgen selbst, der sich bemüht entweder mithilfe der LBG oder aber in DGS vorträgt.

 

2.) Zusätzliche Beleuchtung für den Liturg

In der Kirche ist es oft dunkel, der Liturg muss gut ausgeleuchtet sein, damit ihm die Gemeinde visuell mühelos folgen kann. Daher bringt er oft zusätzlich Scheinwerfer mit. Auch die Position des Liturgen ist an die Einhaltung optimaler Sichtverhältnisse für die Gemeinde angepasst: Meist steht er für alle gut sichtbar der Gemeinde zugewandt, ggf. etwas erhöht auf einer Kanzel.

 

3.) Veränderte (reduzierte) Liturgie

Im Unterschied zu hörenden Gemeinden, die sich während einer Liturgie an bestimmten Stellen von den Bänken erheben, bleibt die Gemeinde bei Gehörlosengottesdiensten in der Regel durchgehend sitzen. Der Grund dafür ist, dass sich beim Aufstehen die Sicht auf den Liturgen verschlechtern könnte.

Außerdem wird auf den Dialog zwischen dem Liturgen und der Gemeinde verzichtet. Stattdessen werden verstärkt visuelle Mittel eingesetzt, z.B durch den Einzug mit Kerze zu Beginn des Gottesdienstes, durch Projektionen von Bildern, um ein einstimmendes visuelles Ritual zu begehen, vergleichbar mit dem Läuten der Kirchenglocken für hörende Gemeinden.

Darüber hinaus kann die Erzählkultur der Gebärdensprache sehr gut eingesetzt werden. Mit ihrer Ausdruckskraft und ihren eigenen sprachlichen Mitteln wie Verortung, Rollenwechseln und Vielem mehr werden die Bibelinhalte lebhaft in Szene gesetzt. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass die Gebärde für Gott in der Verortung oberhalb des Kopfes auszuführen ist. So, dass die Gemeinde zu ihm aufschauen und beten kann.

 

4.) Bekanntmachungen (Abkündigungen)

Im Gehörlosengottesdienst werden in der Regel auch immer Hinweise auf bevorstehende Veranstaltungen für Gehörlose gegeben oder interne Nachrichten mitgeteilt, wie z.B. wenn ein Mitglied der Gemeinde im Krankenhaus liegt und sich über Besuch aus der Gemeinde freuen würde.

 

5.) Musik

Auf den Einsatz von Musik, d.h. Gesang oder Orgelspiel wird in Gehörlosengemeinden in der Regel verzichtet. Stattdessen können Gebärdenlieder zum Einsatz kommen. Dann genießt die Gemeinde entweder den Auftritt eines Gebärdenchores oder die Gemeinde gebärdet gemeinsam mit dem Liturgen ein oder mehrere Lieder. Inzwischen entstehen bundesweit immer mehr Kirchenlieder in DGS, die teilweise auch als Videos konserviert werden.