Gehörlosengemeinden (Sabine Fries, 2011)

Für Gehörlose gibt es in Deutschland verschiedene Glaubensgemeinschaften, die meisten Gehörlosen gehören jedoch christlichen Gemeinden an, vorwiegend katholischen oder evangelischen Gehörlosengemeinden. Sie bilden die größten Gemeinschaften.

Es liegt in der Tradition der Gehörlosenseelsorge, dass sie sich schon immer bemüht hat, die Herzen tauber Menschen zu erreichen.

Im Zentrum unseres Glaubens steht die biblische Botschaft. Diese zu verstehen und zu vermitteln hatte in der Gehörlosenseelsorge immer eine hohe Priorität. In der Geschichte der Gehörlosengemeinschaft waren Schulen die ersten organisierten Lebensformen, dann entstanden Vereine und später gab es auch eigenständige Gehörlosengemeinden. Gemeinden sind also relativ junge Sozialformen in unserer Gemeinschaft.

Aber in der Geschichte der Gehörlosenschulen nahm der Religionsunterricht schon immer eine sehr wichtige Rolle ein: So war der Gründer der weltweit ersten Gehörlosenschule in Paris, Abbé de l’Epée, Priester und religiös motiviert. Taube Kinder zu bilden bedeutete, ihnen das Wort Gottes zu verkünden.

Heute wird Wert auf qualifizierte Mitwirkung gehörloser Gemeindemitglieder gelegt, z.B. durch gehörlose Lektoren oder Gemeindesprecher. Es gibt Ausbildungsangebote, um theologische und liturgische Kompetenz zu erreichen. So wird ein eigenständiges taubes Gemeindebewusstsein innerhalb der Kirche entwickelt.