Taube Juden und ihre religiösen Bräuche

Taube Juden begegnen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft besonderen Herausforderungen.

Ein Beispiel ist das jüdische Neujahrsfest, Rosh Hashana. Als Festauftakt erklingt ein spezielles Blasinstrument, der Schohar. Obwohl taube Mitglieder der Gemeinde den Klang nicht über das Gehör wahrnehmen, können sie an dem Ritual über den Tastsinn teilnehmen: Mithilfe eines aufgepusteten Luftballons, den die taube Person in den Händen hält, wird der Schall des Instruments in Schwingungen übersetzt und erlebbar.

Eine weitere Hürde für taube Juden ist die jüdische Ruhepause, der Sabbat, der den Juden verbietet, in der Zeit zwischen dem Sonnenuntergang am Freitagabend bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstagabend zu arbeiten. Während dieser Zeit sollen Juden mit ihrer Familie zusammen sein und zuhause Ruhe einkehren lassen. Größere Aktivitäten und das Nutzen von Strom sind nicht erlaubt. Für taube Menschen stellt dies ein großer Verzicht dar. Taube Nichtjuden gehen typischerweise am Freitagabend aus, besuchen eine Veranstaltung oder Feier, gehen Samstag ebenfalls unter Leute und widmen sich ihren Interessen wie z.B. Politik oder Sport. Hinzu kommt, dass die meisten tauben Menschen hörende Eltern haben und hier in der Regel Kommunikationsbarrieren zwischen Eltern und Kind bestehen. Der Sabbat wird daher von vielen tauben Juden als Opfer betrachtet und als recht langweilig erlebt.