Einleitung (Stefan Goldschmidt, 2008)

Gehörlose Schwulen und Lesben sind in zwei Welten zu Hause: Sowohl in der Welt der Gehörlosen als auch in der Welt der Hörenden. In der Welt der Gehörlosen fühlen sie sich wohl, weil sie sich dort in der Gebärdensprache mühelos unterhalten können und sie als Gehörlose unter ihresgleichen sind. Andererseits ist dort die Suche nach einem geeigneten Partner oft schwierig, denn in der ohnehin kleinen Gehörlosengemeinschaft ist die Auswahl von potentiellen Partnern sehr begrenzt. Die Gehörlosengemeinschaft zeigt sich insgesamt aufgeschlossen und tolerant gegenüber ihren Schwulen und Lesben. Trotzdem können nicht alle gehörlosen Heteros mit dem Thema Homosexualität etwas anfangen und in Einzelfällen treten auch skeptische oder ablehnende Reaktionen auf. Aus diesen Gründen bewegen sich gehörlose Schwule und Lesben auch zunehmend in der Welt der Hörenden. Hörende sind gegenüber dem Thema Homosexualität in der Regel aufgeklärter und es herrscht eine viel größere Auswahl potentieller Partner als in der Gehörlosengemeinschaft, sodass die Partnersuche hier oftmals erfolgreicher verläuft. Dazu gehört natürlich, dass sich die hörenden Partner auch auf die Kultur der Gehörlosen und die Kommunikation in Gebärdensprache einlassen, was nicht immer gelingt.