Meine Aufgabe als Leiter des Hamburger Seniorenkreises (Walter Lück, 2011)

Meine Aufgabe ist es, die Teilnehmer, die zu den Treffen des Hamburger Seniorenkreises kommen, zu informieren und Unterhaltungen anzuregen. Das Hauptziel ist, dass die gehörlosen Damen und Herren nicht zu Hause vereinsamen. Sie brauchen den Kontakt zu anderen Menschen. Als sie noch jünger waren, sind sie ja meist viel unterwegs gewesen und kamen beim Sport oder kulturellen Veranstaltungen unter Leute. Im Alter lässt das nach, auch weil sie sich manches finanziell nicht leisten können. Im Seniorenkreis verbringen dann die Älteren gemeinsam ihre Zeit.

 

Frage: Wieviele Senioren nehmen denn zur Zeit am Hamburger Seniorenkreis teil?

Früher konnten bis zu 200 Menschen daran teilnehmen, aber heute beschränken wir es aus Platzgründen auf maximal 170 Personen, aktuell sind wir 160 Personen. Eine höhere Zahl ist auch im Clubheim räumlich problematisch, Weihnachten und Ostern kommt eine große Zahl Senioren und der Saal ist gerammelt voll. Früher hatten wir eine Warteliste wenn die Zahl 170 überstieg, aber die gibt’s momentan nicht, wir sind bei 160 Senioren gut ausgelastet.

 

Frage: Wie läuft so ein Treffen des Seniorenkreises typischerweise ab?

In der Regel wird zu Beginn ein Vortrag gehalten und dann wird sich miteinander unterhalten. Die Gesprächsthemen sind dabei ganz vielfältig, man tauscht Erfahrungen aus, erzählt von Erlebnissen, Problemen, gibt sich Tipps oder diskutiert aktuelle politische Themen. Der Austausch untereinander ist das allerwichtigste für die Teilnehmer.

Für mich bedeutet das, dass ich diese Treffen 46 mal im Jahr organisieren muss, dazu bin ich durch die Hamburger Sozialbehörde verpflichtet. Davon trifft sich 23 mal der „Große Seniorenkreis“, von dem ich eben sprach, und genauso oft kommt der „Kleine Seniorenkreis“ zusammen, bei dem man sich in kleinerer Teilnehmerzahl ohne Vortrag zum Kartenspielen und Unterhalten trifft.

 

Frage: Ist der Seniorenkreis eine Einrichtung des Gehörlosenverbands Hamburg?

Nein, wir werden von der Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Hamburg e.V. getragen, diese ist selbst auch Mitglied im Gehörlosenverband, aber wir werden getragen von der Gesellschaft zur Förderung.

 

Frage: Auf welche Barrieren stoßen gehörlose Senioren?

Die Mobilität ist ein Hauptproblem. Wer nicht mehr Autofahren kann, oder im Rollstuhl sitzt, muss befördert werden. Dafür gibt es spezielle Dienstleister, die Hörende nutzen, wie das rote Kreuz oder die AWO. Ich habe schon oft Behörden oder Politiker auf das Problem der fehlenden Mobilität der gehörlosen Senioren angesprochen, bis jetzt leider erfolglos. Es gibt da eine Kostenstelle für die Inanspruchnahme von Fahrdiensten, es können glaube ich bis zu 60 Euro monatlich für Transporte übernommen werden. Die Kostenübernahme muss aber von dem Senioren persönlich beim zuständigen Ortsamt beantragt werden. Dazu muss man sich dort persönlich vorstellen. Viele gehörlose Senioren stellen den Antrag nicht, weil ihnen dieser Aufwand zu hoch ist oder sie sich vor Behördenbesuchen und der erschwerten Kommunikation dort scheuen. Leider kann ich ihnen das auch nicht abnehmen, so gern ich das wollte.