Einleitung (Stefan Goldschmidt, 2008)

Senioren verfügen in der Regel über viel freie Zeit. Gehörlose Senioren legen großen Wert auf persönliche Kontakte und verbringen ihre Zeit lieber in geselliger Runde, als allein zu Hause. Daher verabreden sie sich gern und häufig miteinander, z.B. im örtlichen Gehörlosenverein, um dort bestimmte Veranstaltungen, z.B. einen Vortrag zu besuchen, oder um einfach bei Kaffee und Kuchen ein bisschen miteinander zu plaudern oder Karten zu spielen und vieles mehr.

Es gibt in Deutschland auch einige wenige Altenheime für gehörlose Senioren, in denen die Bewohner durch die räumliche Nähe zueinander leicht in Kontakt und Austausch treten können, wo die Kommunikation untereinander stimmt und ein Gefühl der Einsamkeit selten auftaucht.

Unter den gehörlosen Senioren, die nicht in solch einem Heim leben, sind viele allein und brauchen den Kontakt und das Gespräch zu anderen.

Die Senioren stellen mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen für die Gehörlosengemeinschaft eine äußerst interessante und wertvolle Gruppe dar. Berichte und Erzählungen aus vergangenen Zeiten werden von jüngeren Gehörlosen in der Regel neugierig und fasziniert aufgenommen. Gehörlose Senioren können z.B. beschreiben, wie das Leben weit vor dem heutigen Angebot technischer Hilfen funktionierte. Was hat man z.B. ohne eine Licht-Klingelanlage an der Wohnungstür gemacht, bei der beim Türklingeln ein helles Blitzlichtsignal in allen Wohnräumen erscheint? Auch zu politischen und gesellschaftlichen Ereignissen in der Vergangenheit können gehörlose Zeitzeugen wertvolle Auskünfte geben. Gehörlose Senioren geben somit ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen weiter.