Taubblinde und die Gebärdensprachgemeinschaft

Die Gruppe der Taubblinden stand früher außerhalb der Taubengemeinschaft, da es auf beiden Seiten an Aufklärung und Wissen umeinander fehlte. Taubblinde Menschen leisten jedoch inzwischen viel Öffentlichkeitsarbeit, z.B. in Form von Vorträgen, in denen sie über ihre Situation und ihre Kommunikationsbedürfnisse informieren. Mittlerweile wissen taube und taubblinde Menschen daher besser übereinander Bescheid und gehen offen aufeinander zu. Früher wurden taubblinde Menschen nämlich nicht mit der Gebärdensprache unterrichtet, sie erlernten stattdessen das sog. „Lormen“. Dabei ist jedem Buchstaben ein bestimmtes Tastsymbol auf der Handfläche zugeordnet. Auf diese Weise wird eine schriftsprachliche Botschaft auf der Handfläche und den Fingern wie auf einem Blatt Papier durch gezieltes Drücken, Tippen oder Streichen mitgeteilt.

Da das Lormen von der deutschen Schriftsprache abgeleitet ist, sind viele taube Menschen mit diesem System überfordert. Dadurch dass Taubblinde heute aber immer öfter die Gebärdensprache erlernen, werden sie in der Gemeinschaft der Tauben wieder verstanden. Auch immer mehr taube Menschen beherrschen die Technik der „abgefühlten Gebärden“, um mit den Taubblinden in ihrer Gemeinschaft besser kommunizieren zu können. Dazu legt der Empfänger der Nachricht die Hand auf die Hände der gebärdenden Person und kann so die Gebärden abfühlen. Hinzu kam die neue Ausbildung zum sog. „Taubblindenassistenten“, mit deren Unterstützung taubblinde Menschen die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden soll. Ähnlich wie taube Menschen durch Gebärdensprachdolmetscher die Chance zur Teilhabe bekommen, können taubblinde Menschen in Begleitung eines Taubblindenassistenten am gesellschaftlichen Leben barrierefrei teilhaben, z.B. in den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Familie und vielen mehr.