Soziohistorische Aspekte von Migration (Mark Zaurov, 2011)

Bei der Gruppe gehörloser Migranten spielen verschiedene soziohistorische Aspekte eine Rolle. Man kann drei Gruppen voneinander unterscheiden: Zunächst gibt es die Gruppe von Migranten, die wegen des Arbeitskräftemangels nach Deutschland gekommen sind. Dazu zählen z.B. Gastarbeiter aus der Türkei, Griechenland und Italien, die in Deutschland geblieben sind. Aus dieser Gruppe sind inzwischen sogar türkische Fußballvereine für Gehörlose entstanden, wie z.B. in Düsseldorf und Köln.

Die zweite Gruppe sind die Gehörlosen aus Osteuropa und der DDR, die zu Zeiten des dortigen Kommunismus nur zu Sportveranstaltungen nach Westdeutschland reisen durften, wie z.B. zu den Gehörlosen-Weltspielen in Köln im Jahr 1981. Einige polnische Teilnehmer blieben in Deutschland und wer nachweisen konnte, dass er westdeutsche Vorfahren hatte, konnte in der BRD einen Antrag auf Bleiberecht stellen.

Die dritte Gruppe sind die Gehörlosen aus Osteuropa und der DDR, die nach dem Fall des Kommunismus und der innerdeutschen Grenze in den Westen kamen. Hier gibt es zwei Untergruppen: Die eine umfasst Russlanddeutsche mit deutschen Vorfahren. Sie können einen Antrag auf Bleiberecht in der BRD stellen. Die zweite Gruppe bilden Osteuropäer, deren jüdische Vorfahren im Nazi-Deutschland verfolgt worden waren. Als Zeichen der Wiedergutmachung hat die Bundesregierung sich dafür eingesetzt, dass sie nach Deutschland zurückkehren und bleiben können. Viele Gehörlose aus Osteuropa mit jüdischen Wurzeln sind daraufhin in Deutschland wieder heimisch geworden und der IGJAD (Interessengemeinschaft Gehörloser Jüdischer Abstammung in Deutschland e.V.) beigetreten.